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Stuttgart - Lodz

Jugendbegegnung in Lodz vom 03.04 bis 08.04.2018

Am Dienstag (03.04) begann die Jugendbegegnung zwischen KJH Stammheim, KJH Hausen und Jugendzentrum nr 1 in Lodz. Der Austausch findet seit vielen Jahren statt. Jedes Jahr im Herbst treffen sich die Jugendlichen in Stuttgart und im Frühling in Lodz.

Die polnische Gruppe hat ungeduldig auf die deutsche Freunde auf dem Flughafen in Warschau gewartet. Das Flugzeug ist pünktlich um 13:45 gelandet. Die Begrüßung war sehr herzlich, weil sich die meisten schon im Oktober 2017 in Stuttgart kennengelernt haben. Dann sind alle zusammen mit dem Bus in das Feriendorf Grotniki, das sich mitten in einem Wald befindet, gefahren. Die Fahrt war nicht langweilig – in der Gruppe von 12 deutschen und 10 polnischen, aufgeregten Jugendlichen kann man kaum Langeweile erleben. Nachdem wir angekommen sind, wurden die Zimmer aufgeteilt und es gab direkt Abendessen. Es war zwar schon 19 Uhr und alle waren müde nach der Reise, aber wir haben trotzdem mit Vergnügen einen Spaziergang gemacht. Zum Abschluss des langen Tages fanden noch 3 schnelle Kennenlernspiele statt, damit die Teilnehmer die Namen auffrischen bzw. kennen lernen konnten. Erschöpft nach dem ganzen Tag sind wir gegen 23 Uhr schlafen gegangen.

Am nächsten Tag mussten wir zum Glück nicht all zu früh aufstehen, da das Frühstück erst um 9 Uhr war. Dann hatten die Jugendlichen bis zum Mittagessen um 14 Uhr die Gelegenheit, sich bei dem Fußball-und Kartenspielen zu integrieren, während der Workshop für sie vorbereitet wurde. Das Thema lautete „Völkerwanderung – Wędrówka ludów“ und der erste Teil fand nach dem Essen statt. In 4 kleinen, internationalen Gruppen sollten die Teilnehmer/-innen ihre eigenen Länder erschaffen. Dazu gehörte eine Karte davon zu zeichnen und die Fragen wie z.B. Welches Klima herrscht in Eurem Land? Wie sehen die Einwohner aus? Welche Religion haben sie? Wie hoch entwickelt sind sie? Was essen sie? usw. zu beantworten. Dazu sollten sie sich noch 10 Wörter, die für jeden Menschen wichtig sind, in ihrer eigenen, erschaffenen Sprache ausdenken. Alle haben mit sehr viel Motivation und Kreativität die Aufgaben bearbeitet. Dadurch ist es klar geworden, dass die Umgebung und das Klima auf das Aussehen, Glauben und Entwicklung von verschiedenen Nationen einen Einfluss hat. Nach dem Abendessen haben alle Gruppen einzeln ihre Länder vor einem Pädagogischen Jury vorgestellt. Jeder Gruppe wurden Fragen gestellt, die sie zum Nachdenken über Vielfalt, Entwicklung und das Zusammenleben gebracht haben.

Um den Tag entspannt ausklingen zu lassen machten wir vor dem Schlafengehen einen abendlichen Spaziergang.

Das Wetter hat uns auch am nächsten Morgen verwöhnt, was perfekt für unseren geplanten Ausflug nach Lodz war. Wir sind um 9:30 mit dem Bus losgefahren und nach einer Stunde bei „Marek Edelman – Dialogzentrum“ angekommen.

Das Marek-Edelman-Dialogzentrum ist eine Einrichtung, die sich zum Ziel die Verbreitung von multikulturellen und multiethnischen Erbe von Lodz, unter einer besonderen Berücksichtigung der jüdischen Kultur sowie anderen Kulturen zum Ziel gemacht hat, die einen Einfluss auf die Entwicklung der Stadt hatten.

Im „Dialogzentrum“ konnten die Jugendlichen viel über die Geschichte von Juden in Lodzer Ghetto erfahren und die Bedeutung der sich dort befindenden Denkmäler kennen lernen. Während der Besichtigung konnten die Gruppen so langsam die Bedeutung der Workshops „Völkerwanderung“ erkennen und es entwickelten sich zahlreiche, tiefgründige Gespräche.

Die Führung fand in beiden Sprachen statt.

Nach einem angenehmen, kurzen Spaziergang waren wir im Einkaufs-und Vergnügungszentrum „Manufaktura“ angekommen, wo es zum Mittagessen leckere, traditionelle „pierogi“ gab. Unmittelbar nach dem Mittagessen konnten die Jugendlichen ihre freie Zeit beim Schoppen, Lasertag Spielen und Reden verbringen. Um 19 Uhr wartete bereits der Bus auf uns und wir mussten leider diese schöne Stadt verlassen. Vor der Nachtruhe haben wir noch den warmen Frühlingsabend genutzt und sind spazieren gegangen. Während des Spaziergangs konnten die Eindrücke des Tages verarbeitet werden. Erneut wurde das Workshop-Thema aufgegriffen.

Dann kam Freitag (06.04) – unser letzter Tag in Grotniki. Vormittags haben wir den zweiten Teil von unseren Workshops durchgeführt. Jede Gruppe hat eine andere Situation, die in ihrem Land passiert ist und sie zu einem Treffen mit einem Fremden gezwungen hat, bekommen. Dann mussten sich die Gruppenteilnehmer vorstellen, was sie in dieser Lage machen würden und wie sie sich dem Fremden gegenüber verhalten würden. Das haben die Gruppen in Form von einer Kurzgeschichte beschrieben, um es später vor allen anderen zu präsentieren.

Nach dem Mittagessen beschlossen wir das schöne Wetter zu nutzen und es gab eine Verschnaufpause. Nach einer kurzen Erholung konnten wir mit Präsentationen und Zusammenfassung von Projekten anfangen. Diese wurden immer übersetzt, damit alle Teilnehmer alles gut verstehen konnten. Die Ergebnisse waren sehr kreativ; mit manchen könnte man ein Sci-Fi Buch schreiben.

Die Teilnehmer haben die verschiedenen Umstände, die zu einer Begegnung mit „Fremden“ führen, eingesehen und das Bedürfnis für Kommunikationsmöglichkeit und friedliche Einstellung anderen gegenüber verstanden. Die Geschichten waren so spannend und kompliziert, dass wir die Präsentationen noch nach dem Abendessen fortfahren mussten.

Nun neigte sich der letzte Abend in Grotniki dem Ende zu. Aus diesem Grund versammelten wir uns abends und sprachen darüber was uns während der Woche am besten gefallen hat, was wir gelernt haben und was wir anders machen könnten.

Beide Gruppen brachten paar kleine Gastgeschenke mit, die jetzt ausgeteilt werden konnten. Die deutsche Gruppe bedankte sich bei ihren Gastgebern für die tolle Gastfreundschaft.

Vor dem Schlaf mussten wir noch mit Leid im Herzen unsere Koffer packen.

Samstagsmorgen sind wir nach dem Frühstück gegen 9:30 mit dem Bus nach Warschau losgefahren. Die Fahrt dauerte ungefähr 2 Stunden.

Kurz darauf standen wir schon im Museum „Polin“ in der Hauptstadt von Polen. Die Führung fand für jede Gruppe auf ihre eigene Sprache statt.

Das Museum der Geschichte der polnischen Juden (poln. Muzeum Historii Żydów Polskich, POLIN) ist ein Museum in der polnischen Hauptstadt Warschau, neben dem Denkmal der Helden des Warschauer Ghettos. Der Grundstein wurde am 26. Juni 2007 gelegt. Das Museum wurde am 19. April 2013 mit einer Feier anlässlich des 70. Jahrestages des Beginns des Warschauer Ghettoaufstandes teileröffnet. Die komplette Fertigstellung und feierliche Eröffnung fand am 28. Oktober 2014 statt.

Die Teilnehmer haben die Ausstellung des interaktiven Museums mit großer Aufmerksamkeit angeschaut und dem Museumsführer zugehört. Jetzt hat die Gruppe den Sinn unserer Workshops voll verstanden. Die Darstellung des Jüdischen Volkes, deren Wanderung und Suche nach Akzeptanz und Platz in der Gesellschaft konnte das Zusammenkommen von Völkern und Folgen von fehlender Akzeptanz gut darstellen. Propaganda, Kriege und daraus resultierender Hass führen immer zum Leid, Trauer und Zerstörung! Mit diesen Erkenntnissen konnten unsere Workshops vorerst abgeschlossen werden. Diskussionen, Aufklärung und Nachdenken begleiteten uns jedoch bis zum letzten Moment der Begegnung.

Das Mittagessen haben wir in der Nähe vom Museum gegessen. Danach sind wir zu unserem Nachtquartier gefahren, schnell die Zimmer aufgeteilt und Gepäck da gelassen, um den restlichen Tag in der wunderschönen und spannenden Altstadt Warschaus verbringen zu können.

Als wir aufgewacht waren ist uns eins klar geworden – heute ist unser letzter Tag in Polen. Nach dem Frühstück haben wir unsere Sachen in den Bus geladen.

Eine traurige Stimmung machte sich breit.. Noch vor dem Bus verabschiedeten wir uns. Alle umarmten sich herzlich.. Manch eine Träne ist geflossen.

Am Flughafen mussten wir uns noch mal ganz schnell verabschieden, die Tränen verbergen und zum Check-in gehen.

Als das Flugzeug um 14:35 abgehoben ist, konnten wir noch den letzten Blick auf Warschau werfen.

Ohne weitere Probleme sind wir dann gegen 19:30 mit dem Zug von Frankfurt nach Stuttgart gefahren und nach einer kurze Rede uns verabschiedet.

Jeder kehrte mit einem Kopf voller neuer Erlebnisse, Gedanken, Ideen und Freundschaften nach Hause zurück…

Bericht: Aneta Sikorska (KJH Stammheim) Karina Sliwa (KJH Hausen)